Aus der Sendung “W wie Wissen” in der ARD vom 01.07.2007.
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Grobator's BloggomatSpaß an den "krummen Dingen" des Lebens |
Aus der Sendung “W wie Wissen” in der ARD vom 01.07.2007.
Das Yps Heft Nr.39 und PanTau
Im zarten Alter von ca. 8 Jahren (1975) konsumierte ich regelmäßig Yps Hefte. Das Gimmick des Heftes Nr. 39 war der Super Bumerang aus rotem Kunststoff. Dieses Teil machte damals bei mir alles, aber zurückkommen…. undenkbar. Die Ursache dafür wird für immer ungeklärt bleiben, zumal sich der Mähdrescher des ansässigen Bauern nach einigen Tage das Gimmick einverleibte. Fasziniert hatte mich aber allein schon, das taumelnd rotierende Teil in der Luft zu verfolgen. Aber seit dieser Zeit war es für mich eine reine Legende, dass ein Bumerang tatsächlich zurückkommen könnte. Bestärkt wurde ich bei dieser Legenden Vorstellung durch den guten alten PanTau, der seinerzeit ein Gassenfeger und daher auch von mir reichlich konsumiert wurde. Dieser pflückte immer Blumen von entfernten Inseln mit einem Bumerang. Das dieses nicht funktionieren konnte, war mir damals schon klar. Deshalb sortierte ich einen Bumerang ins Reich der Legenden ein, wo er auch die weiteren Jahre blieb.
Der Lenkdrachen bei Luftikus
Um das Jahr 1988 wollte ich mir einen richtig guten Lenkdrachen bei “Luftikus” in Braunschweig zulegen. Als ich in dem Laden stöberte, traf ich auf ein Regal voller Bumerangs, gefertigt aus schönem, mehrlagigen Holz, aufwändig lackiert. Ich blieb fassungslos davor stehen und fragte mich: Wer macht sich soviel Mühe etwas, das eine Legende ist, herzustellen und besitzt dann auch noch die Frechheit rund 40,- DM dafür zu verlangen. Ich fragte den Verkäufer scherzhaft, wieviele Kunden er mit diesen Teilen schon veräppelt hätte. Er sagte mir, dass es absolut kein Quatsch ist, all seine Bumerangs seien von höchster Qualität und allesamt Returner. “Mich legen Sie nicht aufs Kreuz”, lachte ich den Verkäufer an. Er sagte, dass wolle er auch gar nicht, und falls ich ihm nicht glauben wollte, solle ich doch z.B. zur Buchhandlung Graff gehen. Dort gäbe es eine ganze Reihe von Fachbüchern zum Thema Bumerangs. Ich erinnerte mich an den roten rotierenden Yps-Heft Kunststoff, sodass der eigentlich geplante Lenkdrachen an zweite Stelle rückte. Wenn der Luftikus-Verkäufer das geahnt hätte, hätte er mir das garantiert nicht erzählt. Ich wechselte schnurstracks den Laden, Ziel Buchhandlung Graff. Tatsächlich, da standen einige Bücher über Bumerangs. Ich glaube, ich fühlte mich in diesem Augenblick, wie jemand der heutzutage die versteckte Kamera vermutet. Da stehen eine Reihe Fachbücher vor mir, die ernsthaft ein Thema behandeln, dass ich von Kindheitstagen an im Reich der Legenden zu suchen gedachte.
Günther Veits – “Bumerangs - Werfen, Fangen und Selberbauen”
Nach einigem Stöbern entschied ich mich für Günther Veits “Bumerangs”, und zwar deshalb, weil dort ein 1:1 Bauplan EINES Bumerangs enthalten war. Ich bemerkte erst später, dass ich dort anscheinend das Standardwerk für das Bumerangwerfen erworben hatte. Da ich die Abmaße des Bumerangs sofort ablesen konnte, fuhr ich auf dem Rückweg an einem Baumarkt vorbei und kaufte mir eine Sperrholzplatte in den geforderten Massen. Zuhause angekommen las ich erstmal in dem Buch, der Autor meinte es anscheinend wirklich ernst damit, dass ein Bumerang zum Werfer zurückkommmen kann. Nachdem ich die erste Ungläubligkeit hinter mich gelassen hatte, erzeugte ich eine Schablone des Bauplans aus Tonkarton. Peinlichst achtete ich auf die exakte Übernahme der Form, hatte ich doch vor, nur ein einziges Modell anzufertigen, und da darf auch es ein wenig aufwändiger sein. Nach rund 2 Tagen harter, weil genauster Fummelarbeit hielt ich den ersten fertigen, aber unlackierten Bumerang in den Händen. Gut fühlte er sich an, aber fliegt er auch? Hinter meinem Elternhaus befindet sich ein B-Platz des örtlichen Fussballvereins. Dort stellte ich mich mit Günther Veits Buch in der einen und mit dem Bumerang in der anderen Hand auf. Ich warf genauso wie es im Buch stand…. und… nichts. Das Teil stürzte mit einer schlaffen Rotation nach einigen Metern vor mir auf den Boden. Ich versuchte es weiter und weiter. Nach einigen Stunden stellten sich Schmerzen im Wurfarm ein. Ich gab für heute auf, mir tat einfach alles weh. Was mache ich nur falsch? Wieso tut der Bumerang nicht mal im Ansatz das, was er tun soll? Habe ich einen Fehler bei der Herstellung gemacht ? Sind die Flügelenden nicht genug hochgebogen? Fragen über Fragen, aber keiner, der Antworten hatte. Am nächsten Tag stellte ich mich mit einem heftigen Muskelkater wieder auf den Platz. Irgendwann tauchte mein Vater auf, um nach dem Rechten zu sehen. Ich werde nie vergessen, wie er über meine Fehlversuche schmunzelte. Dieses machte mich richtig wütend. Aus lauter Frust schleuderte ich den Bumerang ein letztes Mal weg, danach wollte ich das Teil einmotten und das Thema Bumerang endgültig begraben.
…und es geht doch!
Doch was war das?
Der Bumerang flog eine komplette Runde, und landete einige Meter vor meinen Füßen!!
Die Wut verlieh meinem Wurf so viel Power, dass endlich der langersehnte Rundflug gelang. Ich (und mein Vater) waren vollkommen platt. Da ich nun wußte ich, worauf es ankam, hörte ich nicht auf den Bumerang zu werfen, so oft, bis mir der Arm “abfiel”. Das Feuer in mir war entflammt. Dieses war der Beginn einer (bisher immer noch) andauernden Leidenschaft. Ich fuhr wieder in die Buchhandlung und kaufte mir die anderen vorrätigen Bumerang Bücher. Ich versuchte mich an einigen Modellen nach Vorlage von “Beat Aepli”. Diese fertigte ich ebenfalls aus Baumarkt Sperrholz. In jedem der Bücher wurde intensiv auf das Thema Biegung eingegangen. Ich merkte bald, dass das Baumarkt Sperrholz nicht das Richtige ist. Schon beim Biegen zerbrachen die Bumerangs.
Ich versuchte mich an allen möglichen Alternativ-Materialien.
Alle diese Materialien hatten den Nachteil, beim Fangen (gerade mit einer Hand) gegenüber von Holz extrem weh zu tun und sich schlecht plastisch Biegen zu lassen. Durch die damalige Grenzöffnung befanden sich sehr viele Trabbis auf unserem örtlichen Schrottplatz. Ich plante, aus einer Trabbi Motorhaube Bumerangs zu bauen, da diese bereits vor gebogen war. Diese Idee verwarf ich jedoch schnell wieder, da ich erfuhr, dass kein Mensch genau weiß, welche Stoffe sich in der “Rennpappe” befinden, und dass könnte beim Einatmen des Schleifstaubs schlimme Folgen nach sich ziehen.
Gorny & Schlegel und BWS
Irgendwie (ich kann mich nicht mehr erinnern) bin ich an die erste Mappe vom Bumerang Projekt von Gorny&Schlegel gelangt. Darin war stets die Rede von tegofilm verleimter finnischer Birke, aber woher bekommt man so etwas ? Auf der letzten Seite, da stand es. BWS – Jens Buhmann, Reinbek. Ich kontaktiere diesen telefonisch und bestellte erstmal eine Platte 5mm finnische Birke. Seitdem ich den ersten Bumerang aus diesem Holz fertigte, war mir klar, dass es als Basismaterial keine Alternative für mich geben kann. Von diesen Zeitpunkt an startete ich eine enorme Produktionswelle. Um die 300 Exemplare wurden in dieser Zeit von mir (von Hand, ohne jegliche Maschinenunterstützung) gefertigt. Ich hatte mit der Zeit viel mehr Freude an der Fertigung als am eigentlichen Werfen. Viel spannender finde ich, einem tumben Stück Holz eine Seele einzuhauchen, zu bemalen und lackieren. Wenn ich einem Exemplar sein persönliches Geheimnis entlockt habe, gab (und gebe) ich diesen auch gerne an Freunde und Bekannte ab. Da der Großteil der Leute Rechtshänder benötigen, brachte ich mir das Werfen von Rechtshändern mit der linken Hand bei. Dieses ist notwendig, da ich die Teile beim Bau schliesslich einfliegen muss. Mittlerweile macht es für mich keinen Unterschied, ob ich einen Links- oder Rechtshänder werfe.
Die Produktionsunterbrechung
Um das Jahr 1992 zog ich vom Elternhaus in eine eigene Wohnung in einem Wohnblock (auch Arbeiterregal genannt). Dort war es unmöglich in dem ziemlich offenen Keller Holzbearbeitung zu betreiben. So schlief der Bumerangbau ein. Das einzige was blieb, waren die Bücher, die Pläne , das Spezialwerkzeug (z.B. Gußform für die Bleigewichte) eine ganze Kiste voller Linkshänder (für mich) ein Rechtshänder und eine Handvoll ausgesägter Rohlinge. Das alles deutete auf einen Dornröschenschlaf und nicht auf ein endgültiges Ende hin.
Das Wiedererwachen
Der Dornröschenschlaf dauerte ziemlich genau 15 Jahre an. In dieser Zeit ernährte ich mich aus der Kiste mit meinen Bumerangs von damals. Immer mal wieder zog es mich auf Sportplatz oder Wiese. Und immer wieder bemerkte ich, dass die Zuschauer voller Erstaunen stehenblieben und zusahen. Dieses sagte mir immer, dass die Bumerangs etwas Besonderes sind. Im Mai 2007 fand ein Zeltwochenende von Sohnemanns Fußballverein statt. Da ich selbst überhaupt keine Fußballkanone bin, versuche ich stets zu solchen Events für eine Alternative zum Kicken zu sorgen. Letztes Jahr war es z.B. das Wikingerschachspiel “Kubb”. Dieses Jahr steckte ich den Rechtshänder und einige Linkshänder ein. Als der Großteil der Kinder und Väter beim Bolzen waren, verzog ich mich in eine ruhige Ecke des Sportplatzes und warf mich langsam ein. Dieses blieb jedoch nicht lange unbeobachtet, zumal alle meine Rangs durch Löcher in den Flügelenden zwitschern. Erst tauchte ein Jugendtrainer auf, und plötzlich die gesamte Mannschaft. Bolzen war nun kein Thema mehr, alle wollten Bumerangwerfen, und zwar bis es absolut dunkel wurde. Früh am nächsten Morgen ging es vor dem Frühstück und bei Nieselregen sofort weiter. Ich mußte einigen Leuten versprechen, dass ich wieder mit dem Bau von Bumernangs beginne, da sie unbedingt ein Holz von mir haben wollten. Außerdem möchte ich meinen Sohn einen Einsteiger Rechtshänder bauen, damit er endlich auch sein Erfolgserlebnis hat. Mittlerweile verfüge ich über eine eigene Werkstatt mit 3,70 langer, massiver Werkbank. Damit ist der Bau von Bumerangs wieder problemlos möglich. Nun ist es die knappe Freizeit, die ein Problem darstellen könnte. Aber Stoff von BWS ist schon da.
So, jetzt…
…muss ich aber in die Werkstatt, es juckt in den Fingern.
many happy returns
Meine Anleitung aus den 90ern, die jedem meiner Bumerangs beigelegt wurde
Original Scan, inklusive aller Schreibfehler!!

* Skizzen von Henry Born


Selbstverfasste Anleitung für Tuning (Seite 1 von 2)

Tuning Anleitung (Seite 2 von 2)